Ehemals drei Widnmann'sche Nischenfiguren an der Außenfassade der Glyptothek, München

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An der West-, Süd- und Ostfassade der Glyptothek befanden sich ursprünglich 18 Nischen, je sechs Nischen pro Seite. In diesen wurden kolossale Marmorstatuen aufgestellt, die Bildhauer zeigten. Die Verteilung auf drei Fassaden entspricht hierbei einer Gliederung in drei Epochen: Antike, Renaissance und Klassizismus. Da der Bauherr König Ludwig I. von Bayern vorgab, dass das Gebäude im reinem griechischen Stil zu planen sei, kam es dazu, dass die Statuen in griechischem Gewandt erarbeitet wurden.

Die Fertigstellung der Figuren zog sich von 1816 bis 1862 hin. Neun Bildhauer aus zwei Generationen waren hauptsächlich daran beteiligt: Friedrich Brugger, Johann Nepomuk Haller, Joseph Lazzarini aus Carrara, Johann Leeb, Arnold Hermann Lossow, Ludwig Schaller, Peter Schöpf, Bertel Thorvaldsen und Max Widnmann.

Rauch-Statue an der Westfassade

Als Widnmann um 1855 den Auftrag erhielt, den Bilderhauer Christian Daniel Rauch (1777-1857) zu modellieren, stellt sich ihm die Frage, in welchem Alter der noch lebende Bildhauer Christian Daniel Rauch dazustellen sei.


Widnmann schrieb am 23. Dezember 1855 in einem Brief an König Ludwig I.:
„Ich habe nun das Modell der mir von E.M. allerhuldvollst aufgetragenen Statue des Bildhauers Rauch einstweilen ... der Vierteile von der wirklichen Größe, in Ton angefangen. Ehe ich jedoch weiter gehe wage ich es mich an E.M.K. zu wenden, um einen Zweifel der in mir aufgestiegen ist zu berichtigen. Ich habe nämlich durch Herrn Direktor Zimmermann die Portraitbüste Rauchs erhalten, welche E.M. von Berlin zugesendet wurde. Diese Büste trägt das Datum 24. Aug.1828, und ist gewiß zu jener Zeit sehr ähnlich gewesen, Seitdem sind aber 27 Jahre verflossen, und Rauch macht heutzutage einen ganz anderen Eindruck als damals.“

Widnmann schilderte weiter, dass er Rauch im Vorjahr in München getroffen habe und ihn anhand der Büste nicht erkannt hätte. Widnmann bat daraufhin den König um eine Entscheidung, in welchem Alter Rauch nun dazustellen sei. Und Ludwig entschied: Die Büste Rauchs von 1828, wie im Brief erwähnt, sollte als Vorbild dienen, da diese sowohl Rauch als die „ähnlichst anerkannte Büste“, als auch dem König gefiel.


Widnmann modellierte daraufhin die Statue Rauchs und fertigte diese auch in Marmor.

Bei der Aufstellung des Rauch-Standbilds am 3. Dezember 1857 war der Abgebildete in München mit dabei. Von der Rauch-Skulptur ist nur noch der Kopf erhalten, alles andere wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Der Kopf befindet sich in der Glyptothek.


Heute steht in dieser Außennische eine Neuschöpfung Rauchs des Münchner Bildhauers Eberhardt Luttner.

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Foto links: Kopf der urspr. Rauch-Statue von Max von Widnmann © Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München, fotografiert von Christa Koppermann
Foto rechts: Jetztige Nischenfigur Rauch-Statue von Eberhardt Luttner © Herbert Stolz

Antonio di Canova

Antonio Canovas Arbeit schätze König Ludwig I. sehr, seine Skulptur der "Hebe“ entfachte Ludwigs Begeisterung für die Bildhauerei... mehr Infos hier.

Michelangelo – Nischenfigur der Glyptothek

Das Gipsmodell Michelangelos von Max Widnmann ist das einzige des gesamten Skulpturenschmucks der Glyptothek, das noch erhalten ist. Die Umsetzung des Widnmann'schen Modells in Marmor wurde von Lossow im Auftrag des Königs ausgeführt.

Giovanni di Bologna

Am 27. Mai 1862 wurde die Statue von Giovanni di Bologna – entworfen von Widnmann – zusammen mit dem Standbild von Benvenuto Cellini – entworfen von Widnmanns Schwager Friedrich Brugger – in den Glyptothek-Nischen aufgestellt. Beide Figuren setzte Arnold Hermann Lossow in Schlanders-Marmor um.

Steckbrief

Christian Daniel Rauch

WV-Nr. 4

Nur noch Kopf erhalten
Urspr. Standort: Ostfassade
Aufstellung: 1857
Auftraggeber: König Ludwig I. von Bayern
Modell: Max von Widnmann
Ausführung: Max von Widnmann, sein Schüler Braig
Material: Marmor
Maße der Nischen: 3,15 m hoch, 1,48 m breit, 0,75 m tief
Maße der Statuen: 2,35 m hoch, 0,90 m breit, 0,70 m tief (ohne Basis und ca.)
Maße der Basis: ca. 22 cm hoch

Michelangelo
WV-Nr. 6

Nicht mehr vorhanden
Aufstellung: 1859
Urspr. Standort: Westfassade
Auftraggeber: König Ludwig I. von Bayern
Modell: Max von Widnmann
Ausführung: Arnold Hermann Lossow
Material: Marmor
Maße der Nischen: 3,15 m hoch, 1,48 m breit, 0,75 m tief
Maße der Statuen: 2,35 m hoch, 0,90 m breit, 0,70 m tief (ohne Basis und ca.)
Maße der Basis: ca. 22 cm hoch

Giovanni Bologna
WV-Nr. 7

Nicht mehr vorhanden
Aufstellung: 1862
Urspr. Standort: Westfassade
Auftraggeber: König Ludwig I. von Bayern
Modell: Max von Widnmann
Ausführung: Arnold Hermann Lossow
Material: Marmor
Maße der Nischen: 3,15 m hoch, 1,48 m breit, 0,75 m tief
Maße der Statuen: 2,35 m hoch, 0,90 m breit, 0,70 m tief (ohne Basis und ca.)
Maße der Basis: ca. 22 cm hoch

Antonio di Canova
WV-Nr. 5

Aufstellung: 1859
Urspr. Standort: Ostfassade
Jetziger Standort:
Erdgeschoß der Bayerischen Staatsbibliothek, Ludwigstraße, München
Auftraggeber: König Ludwig I. von Bayern
Modell: Max von Widnmann
Ausführung: Arnold Hermann Lossow
Material: Marmor
Maße der Nischen: 3,15 m hoch, 1,48 m breit, 0,75 m tief
Maße der Statuen: 2,35 m hoch, 0,90 m breit, 0,70 m tief (ohne Basis und ca.)
Maße der Basis: ca. 22 cm hoch

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Foto links: Widnmanns Antonio Canova © Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München,
fotografiert von Christa Koppermann
Foto rechts: Widnmanns Michelangelo © Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München,
fotografiert von Christa Koppermann